Laudatio von Martin Korden zu Ehren unseres Gründungsmitgliedes Karl-Heinz Korden:
Liebe Freunde der Karnevalsgesellschaft, lieber Charly Korden, lieber Onkel Charly!
50 Jahre Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Adenau sind untrennbar mit Dir verbunden. 50 Jahre KG Rot-Weiß Adenau heißen auch 50 Jahre Deines Lebens, denn die KG war von Anfang an Deine zweite Familie. Heute, da wir dieses grosse Jubiläum feiern, gehört es selbstverständlich dazu, Dich im Besonderen zu ehren: Denn dieses Jubiläum haben wir ganz entscheidend Dir zu verdanken.
Drehen wir die Uhr zurück um mehr als 50 Jahre.
Der Adenauer Flugsportverein veranstaltet eine Karnevalssitzung im Friedrichshof. Da treten zwei junge Männer auf. Der eine steht auf der Bühne - er heißt Willi Martini, der andere taucht plötzlich wie aus dem Nichts in einer Rakete sitzend an der Decke des Saales auf und fliegt darin umher. Jeder fragt sich: "Wie ist das möglich?". Der junge Mann in der Rakete hat gerade einmal gute 20 Jahre auf dem Buckel und heißt Karl-Heinz Korden. Die zwei halten ein tolles Zwiegespräch. Doch unten im Saal sitzt eine junge Frau mit Namen Gisela. Sie hat Angst um ihren Anvertrauten, der in der Rakete an der Decke schwebt. Mit bangem Blick erzählt sie noch heute von der Szene so: "Wir haben gebangt - ich habe gedacht, jetzt ist alles am Ende."
Tatsächlich, lieber Charly, war es der Anfang von allem, denn wenig später hast Du deine Gisela zum Traualtar geführt und dazu im Herbst 1959 die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Adenau gegründet. Du bist aber nicht, wie Nett´s Pitte von ein paar Jahren im Eifer des Gefechtes ausrief: "das einzijje Gründungsmitglied der Karnevalsjesellschaft Rot-Weiß Addenau", nein, der Vollständigkeit halber seien hier die anderen sieben ebenfalls genannt: Heinz Boemer, Johannes Feien, "Hannjuppe Häns" Hans Müller, Jakob Poll, Ernst Baur, Bernd Rössler und Rudi Schumacher. Wohl aber bist Du der einzige dieser Gründerväter, der noch unter uns weilt.
Ich habe jetzt die Ehre, die Laudatio auf dich zu halten. Auch wenn ich aufgrund meines jugendlichen Alters den Großteil Deiner aktivsten Jahre hier nicht live miterlebt habe, so weiß ich doch als dein Neffe: der Charly in der Bütt und der Onkel in der Familie sind ein und derselbe, der es auf einzigartige Weise verstanden hat und nach wie vor versteht, die Menschen um sich herum zu unterhalten.
Lieber Charly,
in unserer Karnevalsgesellschaft warst du von Beginn an in allen Ecken und Enden aktiv. Vor allem deine unerschöpfliche Kreativität half dem Verein, in seinen finanziell schwierigen Anfangsjahren aus dem wenigen was vorhanden war viel zu machen. Schon damals schlüpftest du in alle erdenklichen Rollen. Als du mit Linnarze Pitte für einen Vortrag rote Nasen bei Hackebells kaufen wolltest, gingt ihr zum KG-Vorsitzenden Johannes Feien und fragtet um zweimal 1,50 Mark für die beiden Nasen. Worauf der Vorsitzende meinte:"Ihr gebt schon Geld aus, wo mir noch nix eingenommen haben". Geld war nicht vorhanden, dafür jede Menge Ideen und Spaß an der Freud´in der noch jungen KG-Familie.
In den Anfangsjahren tagtet ihr oft beim damaligen Vorsitzenden Albert Sesterheim. Dazu gab es heißgemachte Fleischwurst und jede Menge Moormännchen. Als Linnarze Pitte und Charly eines Nachts von dort den Heimweg antraten, schafften sie es gerade noch bis zum Pfarrhaus. Hier wurde dann nicht nur der Tag angebrochen, sondern auch die Mauer des Pastors.
Zusammen mit anderen Aktiven hast du auch Sitzungen und Reden in anderen Orten veranstaltet. In Kelberg, Herresbach, Hoffeld, an Start-und Ziel und noch mehr, sozusagen als karnevalistische Entwicklungshilfe. Mitte der 60er hast du die Stadtsoldaten gegründet, aus der dann später auch die Fanfaren hervorgingen. Mit rot-weißen Uniformen wart ihr damals unterwegs und mit einer selbstgebastelten Kanone, deren Rohr euch beim ersten Schuss um die Ohren flog. Vorneweg der legendäre Major "Hoffmann von Nöll". Deine Frau hatte das Wortspiel damals noch nicht verstanden und sprach ihn auch privat mit "Herr von Nöll" an.
Deine bezaubernde Gattin Tante Gisela, von dir auch liebevoll "der Kommandant" genannt oder "Dornröschen". Als Frau eines Karnevalisten hat sie es nicht immer leicht gehabt: Sie hat mir erzählt, das die KG-Aktiven früher regelmäßig vergassen, Ihre Frauen zum Tanz aufzufordern. Zitat:"Das hatten die Adenauer Karnevalisten so an sich. Die machten Ihren Spökes und vergaßen darüber ihre Frauen".
Und Gisela nähte dir die Kostüme zu deinen ungezählten Rollen in der Bütt: als "Addene Baachstelze", "Fotograf", "englischer Bobby", "russischer Offizier", "Bruchpilot", "Musketier", "Eifelvereinswanderer" (manche sagen: deine beste Rede), "Safari Tourist" oder als "Mainzelmännchen", um nur ein paar zu nennen. Du hast die Gabe, exzellente Reden zu schreiben. Warst du in guter Stimmung, konntest du auf deiner Schreibmaschine in einer halben Stunde deine Rede schreiben. Du brauchtest dafür aber immer das sogenannte "Blubbelwasser". Nach Einnahme eines solchen stimulierenden Getränkes konntest du die Schreibmaschine verprügeln wie seinerzeit "Lauxe Karl" auf dem Standesamt.
1975 wurdest du Sitzungspräsident in der KG und bliebst dies 20 Jahre lang. Deine Sitzungsführung war souverän. Du hast nichts anbrennen lassen. Eine Mischung aus perfekter Planung und Improvisation. Auch als Sitzungspräsident gingst du in die Bütt. Viele Jahre lang hast du den Platz im Elferrat stets zum Ende der Sitzung verlassen um als letzte Nummer vor dem Finale deine Rede zu halten. Manchmal kam es vor, daß dein Vater Engelbert und dein Bruder Manfred in der Sitzung waren. Beides nicht gerade Vollblut-Karnevalisten. Sie hast du dann besonders beobachtet und kamst hinterher zum Schluss:" meng Reed mooss janz joot jewääss senn, sujaa de Bap hätt jelaach". "Et mooss suja sehr jood jewäss senn, selevs de Manfred hätt jeschmunzelt". Das närrische Blut jedenfalls hast du wohl von deinem Urgroßonkel geerbt, dem allseits bekannten "Bläke Fritz".
Nach einer Sitzung fand man sich noch oft zu einem Kaffe bei Dir zuhause ein. An einem solchen Abend war auch Webers Franz mit dabei. Es war eine bitterkalte Wintersnacht. So kalt, daß es unverantwortlich gewesen wäre, Franz in seinem dünnen Kostüm bis en de Pickelsjass heimgehen zu lassen. Ganz dem Heiligen Martin folgend hast du ihm damals deinen Mantel überlassen; den Bademantel. Mit ihm und den restlichen Gästen, inkl. deiner Frau, kehrte Webers Franz noch im Friedrichshof ein, während du zu Bett gingst. Doch unruhig standest du noch mal auf, gingst vor das Haus, um einen Blick die Hauptstrasse runter zu werfen, wo denn Gisela wohl bliebe. Der rauhe Wind einer bitterkalten Wintersnacht schlug die Haustüre zu und du standest in Unterwäsche bekleidet auf den Straße. Mehrere Versuche, mithilfe einer Leiter in das Haus zu kommen, schlugen fehl. Nur der nicht abgeschlossene BMW-Isetta deines Bruders Robert rettete dich in dieser Nacht vor dem Erfrieren. Diese denkwürdige Nacht verbrachtest du also hinterm Steuer in Unterhosen, träumend von Webers Franz in deinem Bademantel.
Lieber Charly, diese Anekdoten bleiben unvergessen. Genau, wie die zahlreichen Sprüche und Wortschöpfungen, die so typisch von dir stammen und heute wie selbstverständlich ins KG-Vokabular eingegangen sind.
So nanntest du die Funken "lecker Paketche", den allseits bekannten Kulissenschieber Martin Leidinger nanntest du in Anspielung auf seine nicht vorhandene Leibesfülle "Leidingersch Deck" oder auch "den Mann ohne Schatten". Der obligatorische Blumenstrauss an die Aktiven wurde bei dir zum "duftenden Gemüse". Oder deine typischen Redewendungen: Bekamst du Applaus, sagetst Du stets: "Ich danke ihnen für dieses Geräusch". Unvergessen auch: "Die hann en Freud in de Botz, wie en Mösch en de Päädsköttele". "Watt hann ech enn Spass, mer loofen de Träne de Been eraff". und: "Wenn ich ent Portemonnaie guck, sehn ich att Mitte Aujuss". Dem vom Lampenfieber geplagten Karnevalisten gabst du den aufmunternden Zuspruch:"Stell dir enfach für, die setzen all enn de Onnerbotz do önne, dann klapp datt". Und nach einer geglückten Augenoperation vor ein paar Jahren hast du frohlockt: "Ich sehe wieder Leute, von denen ich annahm, sie seien längst verstorben".
Lieber Charly,
in fünfzig rot und weißen Jahren,
die du begannst mit vollen Haaren,
hast du uns stets viel Freud gemacht,
wo du auch warst, es wurde gelacht,
warst unerschöpflich an Ideen,
an Einsatz, Witz und tollen Reden.
Heut sitzen wir mit Stolz zusammen,
unser Verein mit großem Namen,
ist überall sehr wohl bekannt,
er trägt den Abdruck deiner Hand.
Drum wollen wir dich heute loben,
da ham se dich schon hingehoben.
Und auch sonst ein jeder weiß,
du bist das Gesicht der KG Rot-Weiß.
So will ichs nun dabei bewenden
und mit deinen Worten enden:
Fast ist es ein Gedicht geworden,
wir lieben all den Charly Korden.
Adenau, 12.09.2009
Martin Korden