Karneval und Brauchtum, eine grossartiges Buch mit vielen Kapiteln und noch mehr Seiten!
Kapitel 1:
Eine davon ist sicherlich das Lied : En Addener Jong! (Der Adenauer Karnevalsschlager)
Getextet und komponiert von C. Herschbach, der in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in Adenau Direktor der Volksschule war.
Mehr ist uns zur Zeit noch nicht über die Entstehungsgeschichte bekannt. Vielleicht kann jemand hier noch ein wenig Licht ins Dunkel bringen und uns etwas dazu erzählen.
Auf jeden Fall hier schon einmal der Original-Text:
En Addener Jong!
He senn paar ahnjekomme - die senn bekannt,
paar richtige Addene Jonge - vom Eifelland.
Die senn wie he et Klima - nur net so kalt,
Jedoch die Männ senn prima - da merkste bald!
Halli - hallo - joho!
Ja, su ne richtige Addener Jong,
der jeht eran und dat met Schwong.
Wenn der nem Mädche e Bützje jitt!
dann es de Mamma dat "Nützje" quitt!
Die Mamm, die säht: "Me Grettche - et os en Schann,
E su apptitlich Mädche - krisch keene Mann,
De Papp fängt an se schänne: - Wat seit Ihr domm!
Da Kond, dat soll sich nemme - en Addener Jong!
Halli - hallo - joho!
Ja, su ne richtige Addener Jong,
der jeht eran und dat met Schwong.
Wenn der nem Mädche e Bützje jitt!
dann es de Mamma dat "Nützje" quitt!
Mer sitt om Saal se setze - so rank on schlank,
Die Oegelche, die bletze - so um enand.
Die wesse: Addener Jonge, die see führwahr,
Dem Herrgott jot gelonge - On ent os klar:
Halli - hallo - joho!
Ja, su ne richtige Addener Jong,
der jeht eran und dat met Schwong.
Wenn der nem Mädche e Bützje jitt!
dann es de Mamma dat "Nützje" quitt!
Kapitel 2
Am Aschermittwoch ist alles vorbei 00:00 Uhr Die Karnevalsbeerdigung
"Alles hat ein Ende...", oder um mit den Worten von Nelly Furtado zu formulieren: "All good things com to an end". In diesem Sinne ist auch der Karneval begrenzt und endlich.
Es war im Jahr 1975 als der Brauch der Karnevalsbeerdigung in Adenau seinen Ursprung fand. Man wollte nach dem würdigen Beginn am 11.11. auch einen würdigen und unwiderruflichen Abschluss der Karnevalszeit schaffen, wie es bereits in vielen anderen rheinischen Hochburgen Brauch war. Initiatioren waren die damaligen KG-Aktiven Kurt Schmitz ("Schmitze Lang", "Eifeltturm") und der leider schon verstorbene Helmut Molitor (Mitglied der Gesanggruppe "Gallenssteine" und auch Wirt des KG-Hauptquartiers "Bürgerstübchen"). Laut Überlieferung muss die Idee ganz kurzfristig, ja sogar am Karnevalsdienstag abends selbst, entstanden sein, den Karneval zu Mitternacht am beginnenden Aschermittwoch gebührend zu verabschieden. Die Zeremonie ist seit dem in ihrem wesentlichen Kern fast gleich geblieben. Der traditionelle Ablauf soll im folgenden kurz geschildert werden:
Immer um kurz vor zwölf Uhr nachts versammeln sich die noch herumstreunenden Karnevalisten vor dem Bürgerstübchen. Um Punkt zwölf Uhr beginnt dann ein kollektives Geheule unter dem ein Pappsarg, in dem sich der Karneval befindet, von vier "Lichtgestalten" des Elferrates mit brennenden Fackeln zum gegenüberliegenden Marktbrunnen getragen wird. Die Prozession schließt sich an. Bestenfalls spielt sogar noch eine kleine Blaskapelle den Trauermarsch. Am Brunnen angekommen beginnt der Zelebrant mit der Zeremonie:
Nach ein paar einleitenden Worten beginnt dann eine Art Wechselgesang zwischen Zelebrant und trauernder Gemeinde, der allgemein bekannt da eben schon seit 1978 der gleiche ist. Dabei wiederholt das Volk jeweils die letzten Silben des vorgesungenen Verses:
"Oos Katz jeng met Noppesch Katz in de Jaade." - "Jaade"
"Oos Katz jeng füür, Noppesch Katz mood waade." - "Waade"
"Oos Katz hatt Noppesch Katz en de Schwanz gebess." - "Schwanz jebess"
"Doofür hat Noppesch Katz oos op de Desch jeschess." - "Desch jeschess"
"Oremus Müschemisch! Hück johmer janet heem." - "Janet heem"
"Un wer keen Jees hätt, bruch se net ze mellke." - "Melke"
"Un wer keene Jiwwel hätt, bruch en net ze källke." - "Källke"

Auf die Übersetzung des Textes wird hier an dieser Stelle verzichtet, er würde bei denen, die das hier aufgeschriebene nicht sowieso verstehen, ohnehin für Verwirrung und Kopfschütteln sorgen. Ganz der Tradition des Karnevals verschrieben, muss auch hier nicht nach dem Sinn gefragt werden.

Nach diesem Gesang wird der Karneval im Sarg verbrannt unter lautem Geheule der Anwesenden, denen nichts weiter übrig bleibt, als sich auf den 11.11. zu vertrösten. So steht diese schöne Tradition der Karnevalsbeerdigung ganz im Sinne der Idee des Karnevals, in dem die Begrenzung der vierten Jahreszeit eine wichtige Rolle spielt. Der Karneval entstand bekanntlich aus der Praxis der christlichen Fastenzeit, als besinnliche und entsagungsreiche Vorbereitungszeit auf Ostern. Da diese Zeit sechs Wochen ab Aschermittwoch bis Ostern auch ernsthaft begangen werden sollte, wollte der gläubige Katholik im Rheinland vorher noch einmal so richtig "Gas geben", bevor Stille und Einkehr den Alltag bestimmten. Von daher ist es im echten Rheinischen Karneval auch undenkbar, das Karnevalsfeiern vor dem 11.11. oder noch an bzw. nach Aschermittwoch stattfinden. Solche Traditionen sind bisweilen in den Gegenden zu finden, in denen man den Karneval lieber "Fassenacht" oder "Fasching" nennt oder im bunten Treiben gar "Helau" ruft.

Die Tradition der Karnevalsbeerdigung ist also schon seit über 30 Jahren in Adenau überliefert. Die Aufgabe des Zelebranten übernahm in den ersten 20 Jahren Kurt Schmitz. Seit 1998 ist Martin Korden hierfür in Amt und Würden.
Wir würden uns freuen, wenn zum Ende der Session 2008-2009 die Karnevalsbeerdigung in Adenau am Marktbrunnen einen regen Zulauf verzeichnen könnte.
Text: Martin Korden